Neulich in Marrakech

„Begib Dich einmal im Jahr an einen Ort, an dem Du noch nie gewesen bist.“ Dem Tipp des Dalai Lama folgend führte unsere Reise heuer im April nach Marokko. Erstmals dieses Land bereisend, wählten wir Marrakesch - klingend der Name, begeistert alle, die schon dort waren.

Schon die Vorbereitungen waren perfekt: Nonstop Flug ab Wien, Temperaturvorhersage sommerliche 30 Grad, Vorfreude pur. Die erste Überraschung ist der Flughafen von Marrakesch. Groß, sauber, hell, wie ein Willkommensgruß des Landes.

Originell dann unser Taxi ins Riad, erinnert es doch an die Oldtimer-Autos in Kuba. Ein Genuss. 

Schon die Vorbereitungen waren perfekt: Nonstop Flug ab Wien, Temperaturvorhersage sommerliche 30 Grad, Vorfreude pur.
Die erste Überraschung ist der Flughafen von Marrakesch. Groß, sauber, hell, wie ein Willkommensgruß des Landes. Originell dann unser Taxi ins Riad, erinnert es doch an die Oldtimer-Autos in Kuba. Ein Genuss. 

Groß ist die Freude, als wir im Riad, auf Empfehlung etwas außerhalb der Stadt gelegen, ankommen – strahlt uns schon das Lächeln von unserer langjährigen Kooperationspartnerin Marion Bachinger entgegen. Marion ist die Sorte Mensch, bei der man ins Schwärmen kommt. Humorvoll, großherzig, organisatorisches Multitalent. Marion ist Oberösterreicherin mit zweiter (oder erster?) Heimat Marokko. Sie hat vier Stunden Fahrt von Agadir auf sich genommen, um uns eine Stadtführung der Extraklasse zukommen zu lassen. Und diese startet auch sogleich...

Kurz die Koffer im Zimmer (wunderschön und groß) abgestellt und einen ersten Blick über unser Riad geworfen, fahren wir mit Marion und Privatchauffeur  Shamel in die Stadt. Warum Marion den Privatchauffeur empfohlen hat, wird bald klar: Es ist Rush-hour. Von Parkplatz keine Spur. So genießen wir direkt beim Wahrzeichen der Stadt, der Koutoubia-Moschee, aussteigen zu können und den Weg zum Gauklerplatz zu gehen. Gauklerplatz ist wohl untertrieben, dieser Platz scheint die Welt im Mikrokosmos darzustellen. Jeder versucht, hier seine Kunststücke preiszugeben, seine Waren zu verkaufen, seine Schlagen tanzen zu lassen. Zielstrebig marschieren wir zu Nummer 27, einem der unzähligen mobilen Essens-Markt-Ständen, die Tag für Tag aufgebaut werden und wo wir uns ohne Marions Obhut ganz sicher nicht zu speisen getraut hätten. Das Essen wird frisch gegrillt, der erste Eindruck der köstlichen marokkanischen Küste: ein Genuss. Beim Essen bekommen wir auch die erste Einführung in Land, Leute und Kultur – wir merken: hier liebt jemand seine Wahlheimat. Der Plan für den nächsten Tag wird besprochen. Es ist Markttag. Marrakesch, so könnte man den Eindruck bekommen, ist ein einziger Markt. Souk, wie er hier genannt wird. Im Markt ist Spezialisierung groß geschrieben, es gibt für so ziemlich alles einen eigenen Souk, Lampen, Schuhe, Stoffe, natürlich Gewürze und Parfums. 
 

 

Die wichtigsten zwei Regeln für den Besuch der Souks: Früh am Morgen gehen. Nicht gleich am Beginn des Souks einkaufen, sondern tief eintauchen in das Innere. Da, wo nur mehr wenige Touristen reinkommen. Und womöglich nicht mehr alle rausfinden...
Und natürlich Handeln. Kein Bazar ohne Handeln. Dass Marion ihr Handwerk versteht, stellt sich schnell heraus. Wir lernen von der Besten.
Bevor wir uns am nächsten Tag in die Souks stürzen, geht es in eine der Schmuckstücke von Marrakesch: den Jardin Majorelle. Yves Saint Laurent hat hier kräftig in den Farbtopf gegriffen und ein Meisterwerk geschaffen. Wunderschöne Kakteen aus der ganzen Welt, Bambus, Teiche, tiefblaue Gebäude – ein Ort der Inspiration – wenn man, so wie wir, unter den ersten zehn Besuchern des Tages ist, schenkt der Garten zudem wunderschöne Fotomotive.

Unsere nächste Station also die Souks. Es ist früh. Sehr früh. Wir sind noch vor den meisten Ladenbesitzern da ????. Und können so in aller Ruhe beobachten, wie einer nach dem anderen seine Pforten öffnet, vor seinem Marktstand sauber macht, die Waren abstaubt und ansehnlich für den Tag sortiert. Der erste Kunde, so sagt man, ist der Wichtigste des Tages – denn er zeigt den Markthändlern, ob es ein guter oder schlechter Tag wird. Wir wollen zu einem guten Tag verhelfen... Generell gilt hier das Motto „wer die Wahl hat, hat die Qual“, die Auswahl an wirklich schönen Stücken ist schier unbegrenzt. Sehr schnell ist klar, dass das von uns gewählte Handgepäck als Reisegepäck nicht die richtige Wahl war...
Je tiefer wir in den Markt eintauchen, je mehr Läden geöffnet haben, desto schöner werden die Kunstwerke, die hier angeboten werden. Die Menschen hier leben für die Handwerkskunst, schaffen Wunderwerke fernab von Massenerzeugung. Fertigen an Ort und Stelle Lederwaren, schmücken Sonnenhüte mit individuellem Stick-Wunsch, filzen, gravieren, sind kreativ, sind freundlich...
Marion führt uns natürlich zu den Insider-Marktständen. Jener, der den echten Safran hat, jener, der das wertvolle Arganöl verkauft, das auch wirklich Arganöl beinhaltet. Denn natürlich gilt es, wie überall, Obacht walten zu lassen, dass man nicht übers Ohr gehauen wird.
Ein bisschen Wehmut kommt auf, als der „Kaufstopp“ verhängt wird, weil ja der Platz im Gepäck beschränkt ist...
Bei der wohlverdienten Pause im „Café des Epices“, hoch über den Dächern des Gewürzmarktes, gönnen wir uns das typische Getränk: grüner Tee mit Minze, in der wunderschönen silbernen Teekanne serviert (so eine müsste irgendwie im Handgepäck noch Platz haben...). 
Hier ist der Ort, um die Zeit zu vergessen, um den Moment zu leben, um zu sagen: La vie est belle!

Aber noch haben wir nicht alles von Marrakesch gesehen, nach einer Runde am Gewürzmarkt – ein absolutes Fest für die Sinne – geht es zum Farbenmarkt, bei dem die Begeisterung den Höhepunkt erreicht. Die Pracht, die Intensität der Stoffe, wie sie hier an Ort und Stelle gefärbt werden, versetzt ins Staunen. Wir speichern alles, um für den nächsten grauen November gerüstet zu sein. Marion zeigt uns noch einiges an Insider-Tipps: die schönste Toilette von Marrakeschs Altstadt; das Henna-Café (ein Must-go für Liebhaber der vegetarischen Küche); die kleinen, süßen Geschäfte in der Nähe des Bahia Palastes. Und dann wartet wieder Shamel auf uns, immer gut gelaunt fährt er uns sicher durch das Treiben der Großstadt, zurück zu unserem absolut ruhigen Rückzugsort. Die Massage im Riad-eigenen Hamam wartet schließlich. So ist das in Marrakesch.
Marrakesch scheint alles zu sein: traditionell und modern. Unser Eindruck von Marrakesch ist vor allem der: die Stadt ist weltoffen, trendy und multikulturell. Natürlich hat auch diese Stadt, dieses Land, alle möglichen Probleme und Schattenseiten, dennoch macht es den Eindruck, dass das friedliche Miteinander überwiegt.
Beim Abendessen im Riad bekommen wir noch Tipps für die nächsten Tage, Marion muss leider wieder zurück nach Marrakesch, die nächste Yogagruppe wartet. Aber wir fühlen uns gerüstet. Haben geschlemmt, gelacht, die ganze Stadt erkundet. Glauben wir zumindest...der Blick auf den Stadtplan holt uns allerdings zurück in die Realität...

 

Der nächste Tag führt uns hinaus ins Land, ins Ourika-Tal, eine sehr fruchtbare Gegend, in 1 bis 1,5 Stunden von Marrakesch aus gut erreichbar. Die Gegend ist ideal zum Wandern und zeigt von den Schönheiten, die wohl noch in ganz Marokko warten. Im kleinen Bergtal angekommen, wandern wir mit unserem Guide zum Wasserfall hinauf – die zum Atlas-Gebirge gehörende Route verzaubert mit einer traumhaften Kulisse: die schneebedeckten Gipfel, die frühlingshafte Blumenwelt, die ins Tal gebauten Bergdörfer. 
Links und rechts der Straße haben Berber ihre Zelte aufgeschlagen und warten mit den Kamelen auf Besucher wie uns, die schon immer mal einen Kamelritt machen wollten. Wir machen es. Die Eindrücke sind bleibend und einzigartig, die hier entstandenen, zensurierten Schnappschüsse ebenso. 

 

Der letzte Tag unserer Reise ist wieder für Marrakesch reserviert. Wir möchten herausfinden, ob wir auch ohne Marion den Souk überleben. Wir tun es. Anfangs noch etwas holprig, aber immer besser werdend wird gehandelt.

Mit vielen neuen, unvergesslichen Eindrücken, einer silbernen Teekanne im Gepäck, einer hübschen Sonnenbräune auf der Haut geht es wieder heimwärts. Diese Reise hat wieder mal eindrücklich gezeigt, wie schön das
Miteinander der Kulturen funktionieren kann, wie grenzenlos unsere Erde sein kann, wenn man mit offenem Herzen reist. Wie glücklich wir uns schätzen dürfen, Tage wie diese erleben zu können.

Danke Marrakesch, Danke Marion für diese Erfahrung!
Sonja & Sammy, Marrakesch, April 2019

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