Interview mit der Kalligraphie Künstlerin Mag. Junko Baba

Frau Mag. Junko Baba, geboren in Fukuoka (Japan), ist Lehrbeauftragte an der Universität Wien und Vizepräsidentin des internationalen Vereins „Global Calligraphy Vienna".

 

Sie leitet die Europäische Zweigstelle der Nihon Shuji Kalligraphie Gesellschaft, und gilt als eine der aktivsten Performance-Künstlerin der japanischen Kalligraphie im europäischen Kulturraum. Außerdem ist sie Künstlerin des klassischen Gesangs.

Die Kunst der Kalligraphie - ein Interview mit Mag. Junko Baba
 

Nebst zahlreichen Live Performances, Ausstellungen, Vorträgen und Workshops zeigt ihre Verbundenheit mit Japan die kürzlich in Kooperation mit der Uni Wien ins Leben gerufene Spendenaktion für die Erdbebenopfer in Kumamoto. Die Vielseitigkeit von Junko Baba trägt weitere Früchte, indem sie mit ihren 22 Jahren Erfahrung als Opernsängerin den Studierenden an der Seinan Universität (Japan) die Europäische Theaterszene und Interpretationskunst näher bringt.
Wir freuen uns sehr, mit Frau Mag. Junko Baba ein Kalligraphie Programm im bayrischen Chiemgau anbieten zu können. Ganz im Sinne von East meets West wird Frau Baba den Kursteilnehmern viel über Philosophie und Technik von Shodo – der Kunst der Kalligraphie beibringen. 

Wir trafen Frau Mag. Junko Baba zum Gespräch: 

•    Seit wann beschäftigen Sie sich mit Kalligraphie? Wie kamen Sie dazu?
Ich stamme aus einer Kalligraphen Familie. Mein Urgroßvater war Gründer einer der ersten Kalligraphie Schulen in Kyushu. Sowohl mein Großvater als auch meine Mutter waren/sind Kalligraphie Meister. Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen, und diese Künste waren von Anfang an Teil meines Lebens. Bereits mit 4 Jahren habe ich begonnen, Kalligraphie und Klavier zu lernen, ab 6 Jahren dann auch die Ölmalerei. Da man als Kind beim Unterricht durch die Eltern oft nicht die nötige Disziplin aufbringt wurde ich ab 6 dann von auswärtigen Lehrern und Schulen in Kalligraphie, Musik und Malerei unterrichtet.  
 
•    Pinsel, Tusche, Reibstein und Papier sind die vier Werkzeuge des „Shodo“. Wie werden sie hergestellt? Können Kurs-Teilnehmer etwas davon selbst machen? 
Die sogenannten Vier Schätze – Pinsel, Tusche und Reibstein, sowie Papier - werden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Der Pinsel zum Beispiel kann aus Schaf-, Pferde-, Wiesel-, Dachshaar oder einer Mischung daraus sein. Das Papier kann ebenso aus verschiedenen Materialen und Stärken hergestellt werden.  
Die Tusche aus Ruß und Leim enthält auch einen Aromastoff, der ein kleines bisschen wie nach Weihrauch riecht, und beim meditativen Anrühren mit Wasser auf dem Reibstein durch den Kalligraphen angenehm eingeatmet werden kann. Das Anrühren ist die ideale, meditative Übung zur Sammlung und Einstimmung für das anschließende Schreiben. 
 
•    Manche Menschen können nicht still sitzen und meditieren fällt ihnen sehr schwer. Ist „Shodo“ dann etwas für sie? 
In Japan beginnen die Kinder in der 3. Volksschule mit Kalligraphie Unterricht. Dadurch lernen sie, ruhig zu sitzen und konzentriert zu arbeiten. So ist Shodo sogar eine gute Hilfestellung, um mehr zur Ruhe zu kommen. Und Übung macht natürlich auch hier den Meister.
 
•    Wie läuft ein Kalligraphie Unterricht ab?
Der Akt des Tusche Anrührens dient zur idealen Vorbereitung auf das Schreiben. Unter Einhaltung einiger Grundregeln, wie der korrekten Körper- und Pinselhaltung, Strichrichtung usw. beginnt der Schüler mit einfachen Strichen. Nach einiger Zeit des Übens dann kann ein ganzes Schriftzeichen geschrieben werden. Wichtig dabei ist, nie eine Linie ein zweites Mal nachzuziehen. 
 
•    Sie gelten als eine der aktivsten Performance-Künstlerin der japanischen Kalligraphie im europäischen Kulturraum. Wie kann man sich das vorstellen? Wie sieht so eine Performance aus?
Ich mache live Performances zu verschiedenen Anlässen und Themen, d.h. ich schreibe japanische Schriftzeichen mit sehr großen Pinseln und Papieren live vor Zuschauer.  Je nach Thema der Veranstaltung bereite ich mich einige Wochen darauf vor. Bei der live Performance selbst arbeite ich meist mit einem Trommelspieler zusammen, der mich während meines Schreibens – was von ein paar Sekunden über ein paar Minuten gehen kann – begleitet. 
 
•    Sie sind auch Opernsängerin. Wie passt dies zusammen? Gibt es Berührungspunkten zwischen beiden Künsten? 
Ja, ich habe mich für klassischen Gesang (gegenüber Klavier) entschieden. Musik und Kalligraphie haben viele Gemeinsamkeiten. In beiden Fächern bereitet man sich gut vor, ständiges Üben ist erforderlich. Man muss sich an für alle gleichgeltende Grundregeln halten, in der Interpretation jedoch gibt es Raum für Persönliches. Und wenn man auf der Bühne arbeitet, sowohl in der Musik als auch in der Performance Kalligraphie, dann gibt es zum Zeitpunkt des „Aktes“ nur eine Chance, zu performen. Man kann vor Publikum nicht einfach nochmal von vorne anfangen.  
 
•    Sie haben klassischen Gesang in Tokio und in Salzburg studiert. Was sind für Sie große Unterschiede zwischen beiden Studiengängen/Kulturen?
Ich musste schon von klein auf sehr große Disziplin in meinem Alltag einhalten, um das tägliche Unterrichts- und Übungspensum für Schule und Kunst bewältigen zu können. Mein Tagesablauf war sehr straff gestaltet. Außerdem gilt Pünktlichkeit in Japan als eines der ganz großen „Gesetze“, man sieht es auch gut am Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der stets sekundengenau nach Fahrplan fährt. In Österreich jedoch nimmt man es mit Pünktlichkeit und Disziplin nicht ganz so genau. Die „mach‘ma schon“, „passt schon“, „schau‘ma mal“ sind bis zum heutigen Tag manchmal eine große Herausforderung für mich, „ermahnen“ mich andrerseits aber, es auch mal ein bisschen lockerer zu nehmen :-).
 

Wer die Kunst des ästhetischen Schreibens von einer außerordentlichen Meisterin (5. Dan-Trägerin in der Meisterschaft der Kalligraphie) persönlich lernen möchte, hier die Termine:

18.-21. Mai 2019 
07.-10. Dezember 2019
Infos: https://www.indigourlaub.com/shodo-kunst-der-kalligraphie/ 
 

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