„Es geht darum, Yoga in seiner Tiefe zu verstehen, bevor man es teilt“

Eine Karriere als Moderatorin, der Beginn einer Freundschaft in Indien, Yoga abseits von Dogmen und starrer Form und die Entwicklung eines Ausbildungskonzeptes, das Ost und West vereint. Ein Gespräch mit Kerstin Linnartz, aber auch mit Akhilesh Bodhi über die modulare „be better“-Yogalehrerausbildung in Österreich und Zypern und über Demut und Humor.

Die deutsche Yoga-Expertin und Bestsellerautorin Kerstin Linnartz und der international renommierte Yogalehrer Akhilesh Bodhi aus Indien bieten mit Indigourlaub das „be better YOGA Teacher Training“ an. Eine kompakte und fundierte Yogalehrerausbildung in vier Wochen, bestehend aus zwei Modulen zu je zwei Wochen. Im österreichischen Nationalpark Kalkalpen und an der zyprischen Küste können Yogis ihre Leidenschaft zum Beruf machen.

„Es geht darum, Yoga in seiner Tiefe zu verstehen, bevor man es teilt“

 

Indigourlaub: Kerstin, du bietest gemeinsam mit Akhilesh Bodhi bereits zum achten Mal in Europa, zuvor bereits einige Male in Indien das „be better YOGA Teacher Training“ an. Was schätzt du an deinem Kollegen? 

Kerstin: Akhilesh ist nicht nur fachlich ein hervorragender Yogalehrer, sondern auch ein fantastischer Mensch, der Yoga durch und durch lebt. Schon während meiner Zeit in Indien, als ich bei seinen Ausbildungen unterrichtet habe, ist unser gegenseitiges Wertschätzen als Lehrer zu einer Freundschaft gewachsen. 

Indigourlaub: Was zeichnet eure Arbeit als Team aus?

Kerstin: Wir beide nehmen Yoga zugleich sehr ernst und vermitteln Yoga mit aller gebotenen Demut. Zugleich aber gehen wir beide mit viel Humor an das Ganze heran und machen den Schülern klar, dass es keineswegs um starres Einhalten von Formen geht. In unseren Kursen wird viel gelacht, bei aller Ernsthaftigkeit der Wissensvermittlung. Am Ende des Tages soll Yoga ja das Leben glücklicher und gesünder machen.

Akhilesh: Kerstin und ich sind ein einzigartiges Team. Sie kennt die westliche Kultur und das Denken und weiß, wie man die indische Lehre des Yoga einem Menschen aus dem Westen zugänglich macht. Ich kenne die Tiefen von Yoga und Vedanta (Anm.: Eine Richtung der indischen Philosophie) durch meine Studien bei meinem Lehrer Swami Dayananda. So repräsentieren wir Ost und West. Die Teilnehmer lieben es, das östliche Denken auf eine Weise zu lernen, die sich vollständig in den westlichen Lebensstil einfügt. Unsere Ausbildung ist eine der seltenen Momente, bei denen östliche und westliche Lehrer kombiniert unterrichten.

Indigourlaub: Unterscheiden sich die Bedürfnisse eines Yogaschülers in Europa von einem Yogaschüler in Indien?

Akhilesh: In der heutigen Zeit begegnen wir in Ost und West denselben Herausforderungen, egal ob physisch, emotional oder psychisch. Die moderne Welt steht also vor der gleichen Art von Problemen. Unsere Emotionen sind wackelig, instabil. Daher besteht die Notwendigkeit, die eigenen Emotionen und den Geist zu stabilisieren. Dies ist mein Ziel in der Lehre von Yoga. Den Menschen beizubringen, wie sie Körper, Emotionen und Geist in Einklang bringen. Yoga lehrt, wie man seinen Verstand erziehen und seine Emotionen heilen kann. Um einen gesunden Geist und Emotionen zu haben, muss man einen gesunden Körper haben. Ich möchte lehren, wie man Gesundheit und gute Emotionen aufrechterhält.

Indigourlaub: Akhilesh, was schätzt du an Kerstin Linnartz als Yogalehrerin und Ausbildnerin?

Kerstin ist sehr versiert in ihrem Wissen und hat ein tiefes Verständnis für die Vermittlung dessen. Sie besitzt Liebe und Empathie für die Teilnehmer.

Indigourlaub: Wie hat eure Zusammenarbeit begonnen?

Akhilesh: Ich kenne Kerstin seit 13 Jahren. Sie war oft in Indien und besuchte da auch meine Yogastunden. Wir wurden Freunde. Ich sah ihr Talent, yogisches Wissen zu teilen und lud sie ein, in meiner Yogaschule in Indien zu unterrichten. Wir begannen eine Yogalehrer-Ausbildung zu entwickeln. 

Kerstin: Für mein Yogaresort in Indien habe ich indische Lehrer gesucht, weil mir Authentizität wichtig war und ich nicht eine der Hipster-Locations sein wollte, in denen nur Westler Yoga unterrichten. Als ich Akhilesh traf, war sofort klar, das passt. 

Indigourlaub: Was unterscheidet eure Ausbildung von anderen?

Kerstin: Bei uns wird undogmatisch unterrichtet. Sie (Anm.: Die Teilnehmer) werden nie von uns hören, dass „unser“ Yoga richtig und anderes falsch ist, oder dass wir etwas „erfunden“ haben. Wir haben beide viele Jahrzehnte Erfahrung im Unterrichten und vor allem in einer tief verwurzelten Praxis und yogischen Lebensweise in Indien. Zusammen bringen wir Ausbildungen in klassischem Hatha Yoga nach Sivananda, Iyengar, Ashtanga, Kundalini und Kriya Yoga mit sowie Wissen zu westlicher Neurowissenschaft, Ayurveda, der Chakra-Lehre und Taiji. Akhilesh und ich haben zusammen in mehr als 20 Ländern studiert, praktiziert und unterrichtet. Dieser Erfahrungsschatz fließt in unserem Teacher Training zusammen, da kommt schon einiges an Energie zusammen (lacht). Das Feedback der Schüler ist jedes Mal entsprechend überwältigend. 

Indigourlaub: Du bist auch Medienfrau und hast jahrelange Berufserfahrung als Moderatorin. Profitieren die Teilnehmer davon?

Kerstin: Ja. In individuellen Einzel-Coachings erhalten die Trainees bei uns den Feinschliff, den sie brauchen – sei es Stimmtraining, Hilfestellungen in freiem Sprechen oder Körpersprache. Eine gute technische Ausbildung allein macht nämlich noch lange keinen guten Lehrer. Darüber hinaus erhalten unsere Trainees auf Wunsch auch Hilfe bei der Komposition von Kursen abgestimmt auf ihre Zielgruppe. Wir bieten zudem den Absolventen die Möglichkeit, als Gastlehrer eingesetzt zu werden, z.B. als Hauslehrer in den Locations von Indigourlaub auf Mallorca oder im Chiemgau. Die großartige Resonanz auf die Qualität unserer „be better“-Yogalehrer freut uns natürlich sehr. 

Indigourlaub: Was ist dir wichtig zu vermitteln in deiner Ausbildung?

Kerstin: Allem voran, dass wir als Yogalehrer vor allem Vorbild sind. Dass es darum geht, Yoga in seiner Tiefe zu verstehen, bevor man es anderen teilt. Dass jeder Mensch ein Individuum ist mit eigenen Bedürfnissen und dass man niemals zwei Menschen in dieselbe Form pressen kann. Dieses Verständnis wird in unseren Trainees verwurzelt, sie erhalten das klar strukturierte Fundament, auf dem sie dann aufbauen können und von dem aus sie sicher agieren können.  Neben der Methodik und Didaktik ist bei uns auch die yogische Lebensweise wichtig, das Prinzip von Ahimsa (Anm.: Gewaltlosigkeit). Nur ein friedlicher Geist kann anderen Menschen die Ruhe bringen, nach der sie sich sehnen, weswegen sie Yoga machen. Die Menschen werden in unserer Welt mehr und mehr gestresst und ungesund. Wir haben als Yogalehrer die wundervolle Chance, ihnen zu helfen, wieder inneren Frieden und äußere Gesundheit zu erlangen. 

 

„Ich bin überzeugt, dass nur im Immersionsmodell das echte Erfahren des Yoga möglich ist, um es nachher auch glaubwürdig zu vermitteln. Bei einem Modell, bei dem man immer nur einzelne Wochenenden studiert, kommt man schwerlich in den Flow.“

 

Indigourlaub: Die Ausbildung wird anders als viele andere in zwei Blockmodulen angeboten – im österreichischen Nationalpark Kalkalpen und in Zypern, direkt am Meer. Was ist der Vorteil dieser modularen Ausbildung und der zwei Destinationen?

Kerstin: Ja, ich habe die Ausbildung ganz bewusst so konzipiert. Zum einen erlaubt es auch Berufstätigen, die Ausbildung zu absolvieren und sie gegebenenfalls über zwei Jahre zu strecken. Zum anderen bin ich überzeugt, dass nur im Immersionsmodell das echte Erfahren des Yoga möglich ist, um es nachher auch glaubwürdig und authentisch zu vermitteln. Bei einem Modell, das zum Beispiel über zwei Jahre gestreckt ist und bei dem man immer nur einzelne Wochenenden studiert, kommt man schwerlich in den Flow. Bewusst habe ich auch die Kombination von Berge und Meer gewählt. Beide Locations haben eine ganz eigene Magie und unterstützen die Energie des Trainings. Das ist in einem Seminar in der Stadt einfach nicht möglich. Nicht zuletzt sollen die Trainees natürlich auch genießen können. Der Lehrplan ist sehr voll und da tut ein Sprung ins Meer zwischendurch einfach gut. Deswegen bauen wir auch immer etwa einen Bootsausflug ein in der Halbzeit. Die intensive gemeinsame Zeit lässt oft Freundschaften zwischen den Trainees entstehen, die sich dann über das Training hinaus auf ihrem Weg begleiten. So wächst die „be better“-Familie immer weiter, das ist wunderschön für mich zu sehen.

 

Interview: Petra Humer
Akhilesh Bodhis Antworten wurde aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.
 

 

rotate