Reisebericht Iliohoos - Indigo Urlaub
 - Reiseberichte - ReiseberichteVeröffentlicht am 15.01.2016

Reisebericht Iliohoos Yoga & Qi Gong griechischer Pilion

Der griechische Pilion: Wo die Götter Urlaub machen.

Volle Terminkalender. Gesellschaftliche Verpflichtungen. Hohe Anforderungen in der Arbeitswelt. Probleme im Alltag. Das Gefühl, auszubrennen. Immer mehr Menschen suchen Auszeiten, um die „Batterien“ wieder aufzuladen. Manager machen Urlaub im Kloster. Ärzte buchen Urlaube in bescheidenster Beherbergung. Sehnsucht nach Einfachheit und einem erfüllten Leben. Ein Widerspruch? Ein Besuch bei „ILIOHOOS – der Schule des einfachen Lebens“.

Nach weniger als zwei Flugstunden von Wien lande ich in Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands. Die Stadt ist kultureller Mittelpunkt und Hauptstadt der Region Makedonien, ihre Bauwerke aus frühchristlicher und byzantinischer Zeit gehören seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Auf der Suche nach dem Rezept für ein erfülltes Leben mache ich mich jedoch gleich mit einem Mietauto auf den Weg zur Halbinsel Pilion und lasse Stadthektik hinter mir.

Die Hafenstadt Volos, an den Ausläufern des Pilions, erreiche ich nach zweieinhalb Autostunden. Von dort an führt mich die Reise über eine, teils der Küste entlanglaufende, Landstraße in Richtung Süden auf der Halbinsel Pilion. Die von zwei Meeren umspülte und vom zauberhaften Pilionberg gekrönte Halbinsel hat eine Jahrhunderte alte Geschichte, in der sich Mythos mit Wirklichkeit in einem hinreißenden Mysterium vereinigen. Das Landschaftsbild ist geprägt vom Gebirgszug, bedeckt mit üppig grün wuchernder Vegetation. An den steilen Berghängen liegen zahlreiche Klöster und die berühmten Piliondörfer aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Am Fuße des Waldgebirges gibt es herrliche Strände, die bislang noch wenig besucht sind. Abseits des Massentourismus spürt man hier Ruhe und Ursprünglichkeit. Das Wasser des Golfs von Pagasitikos und der Ägäis auf der anderen Seite der Halbinsel ist tiefblau und wer Glück hat sieht Delfine am Horizont springen.

Schon in uralten Zeiten haben die Dichter die Schönheit der Halbinsel besungen. Homer preiste sie als Sommerresidenz der Götter.
 Auf diesem Berg haben der Sage nach die pferdeleibigen Zentauren, Söhne des Lapithenkönigs Ixion und der Nephele, gehaust. Als Ahnherr aller galt der weise Zentaure Chiron, dem Apollo seinen Sohn Asklepios anvertraut hat, und der von Chiron in die Heilkunst eingeweiht und zum ersten Arzt der Menschheit gemacht wurde. Jason und die Argonauten sollen von dort aus auf die Suche nach dem Goldenen Vlies gezogen sein. Kurzum: ein wahrer Hotspot für historisch-mythologische Ereignisse. Bei Argalasti verlasse ich die Landstraße und fahre Richtung Kalamos. Durch Olivenhaine, vorbei an Zitronenbäumen, mit atemberaubendem Blick über den azurblauen Golf, schlängelt sich das Sträßlein den Hang hinunter in die Bucht des idyllischen Fischerdörfchens Kalamos. Endstation. So sieht es aus, denn die Straße scheint tatsächlich dort zu enden. Ich besuche Lina & Jorgos Pappas, ein griechisches Ehepaar, dass sich dort mit ihrer Institution „Iliohoos – Schule des einfachen Lebens“ ihren Traum verwirklicht hat. Die beiden möchten gerade uns Mittel- und Nordeuropäern das einfache Leben ein Stückchen näherbringen. Ich bin gespannt.

Sowohl Lina als auch Jorgos haben ihre vielversprechenden akademischen Karrieren vor einigen Jahren aufgegeben, um sich zur Gänze ihrer Berufung zu widmen. Jorgos, Master of Science und Doktor der Philosophie, arbeitete u.a. als Mathematik Professor, bis er seine Leidenschaft für Qi Gong und Meditation entdeckte. Er lernte viele Jahre von namhaften Qi Gong Meistern in Asien, bevor er 1993 gemeinsam mit seiner Frau „Iliohoos – die Schule des einfachen Lebens“ gründete, dessen Leitidee ist, die allgegenwärtige Lebensenergie zu entdecken und für ein besseres Leben bewusst einzusetzen. Lina war mehrere Jahre als Dipl.Ingenieurin und Lehrerin tätig. Heute lebt sie ihre Berufung als Lehrerin in Qi Gong, Yoga und griechischen Volkstänzen.

Die Tage in Kalamos sind wie Balsam für mich. Entschleunigen. Entspannen. Genießen. Nichts muss, alles kann. Yoga bringt mich näher zu mir selbst. Die Wanderungen mit Lina sind ein Genuss. Ihr südländisches Temperament und die Liebe zu ihrer Heimat berühren. Das fruchtbare, hügelige Gebiet mit Kastanien, Nuss- und Mandelbäumen, Eichen, Buchen und Platanen ist eine in Griechenland einzigartige Landschaft. Schon im Altertum war das Piliongebirge berühmt für seine vielen Heilkräuter (rund 2000 Arten). Lina wird nicht müde, uns die duftenden Wildkräuter am Weg zu erklären: wilder Thymian, Oregano, Salbei, Johanniskraut, Weißdorn, Rosmarin, Minze, Pfefferminze, Malve, Aloe, Lorbeer, Zitronenmelisse, Myrte und Pilze finden wir und Feigen, Walnüsse, Granatäpfel, Mandeln, Trauben, Orangen, Zitronen, Mispeln, Mirabellen u.v.a.m., je nach Saison, kosten wir direkt vom Baum. Ein Traum!

In ungezwungenen Gesprächen beim Wandern oder den geselligen Abendessen mit köstlich griechischer Küche erfahre ich, dass unter den Gästen auch Firmenbosse, Chirurgen oder andere Gäste sind, die man eher in Fünfsterneresorts vermuten würde, als in der einfachen Anlage in Kalamos. Aber auch sie suchen die Einfachheit, Bescheidenheit, wollen als Mensch wahrgenommen werden und nicht in ihrer Funktion. Alle gleich. Alles eins. Beim Syrtaki-Tanzen nach dem Essen fallen die letzten Blockaden und jeder fühlt sich lebendig und frei. Ja, das Leben ist schön!

Ein Aufenthalt bei Lina und Jorgos ist mehr als nur Urlaub. Es ist eine Art Schulung des Geistes und des Herzens, eine Bewusstwerdung. Mit viel Einfühlungsvermögen und Achtsamkeit bietet das Paar idyllische Einfachheit für Erholung, gewährt Einblicke ins griechische Leben. Mit Yoga und Qi Gong erfahren die Teilnehmer die Schönheit des Selbst, fördern die Gesundheit und erlangen Kraft und neue Vitalität. Begegnung mit anderen und sich selbst. Erkennen, dass es die kleinen Dinge sind, die die unendliche Fülle des Lebens ausmachen. Mehr braucht’s nicht für ein glückliches Leben. Die zwei Wochen sind viel zu schnell vorbei. Abschied.

Das Herz voll von Eindrücken. Und guten Vorsätzen, das Erlebte und Erlernte auch zu Hause im Alltag umsetzen und noch lange nachspüren zu können. 

Tische mit blauen Stühlen stehen am Strand, neben dem Meer.

Text: Marion Liebhard

Marion ist seit über 20 Jahre in der Reisebranche und liebt es, immer wieder neue wunderbare Teile der Welt kennen zu lernen. Sie liebt die Natur, besonders die Berge und ist in ihrer Heimat Kärnten gerne bergwandernd unterwegs. Ihre Interessen gelten dem Yoga, der Meditation und dem Ayurveda.

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