- MeditationVeröffentlicht am 21.02.2017

Metta-Übung: Die Sonne der Herzensgüte

Aus dem Buch: Licht auf Deinem Weg von Ursula Lyon und Gerald Schinagl

Weltliche Liebe ist uns nur zu gut bekannt: sie wird in Liedern besungen, in Filmen dargestellt und findet in Gedichten ihren Ausdruck. Fast jeder/jede war schon einmal verliebt und kann diese Gefühl sicherlich gut und ausführlich beschreiben. Was ist aber der Unterschied zwischen dieser weltlichen, uns sehr vertrauten Liebe und einer meditativen Liebe, die im Sanskrit Maitri, in Pali Metta genannt wird?

Wir Menschen sehnen uns danach, so geliebt zu werden und lieben zu können, dass es weder zu Enttäuschungen und Ablehnung oder gar zu Verletzungen und Hass kommt. Aber trotz bester Vorsätze und größter Bemühungen ist die weltliche Liebe zu dem einen oder andren Zeitpunkt mit Schmerz, Kummer oder Sorge verbunden.

Die meditative Liebe – Metta – hingegen könnte man treffender als umfassende Güte, ehrliche Freundlichkeit, Herzenswärme oder tiefe Akzeptanz bezeichnen. Sie ist nicht von triebhaften Gefühlen oder irrealen Vorstellungen und Erwartungen oder gar einer gegenseitigen Bedingtheit geprägt, sondern basiert auf entwickelten Einsichten und dem Fundament einer umfassenden Ethik.

Im Gefühl von Metta begegnen wir einer großen heilenden, dauerhaften und Selbstwert aufbauen Kraft, während die weltliche Liebe uns mit Kurzlebigkeit und ihrem Wankelmut zu schaffen macht. Die weltliche Liebe kann uns zwar hoch heben und fliegen lassen, aber nicht selten zieht uns diese Art der Liebe in gleicher Weise auch in tiefe Abgründe.
In der als reife Liebe beschriebenen weltlichen Liebe sind tragende Elemente von Metta enthalten, was den Liebenden wohl selten bewusst ist, aber deren Liebe auf ein sehr tragfähiges und stabiles Fundament stellt.
Metta geht über persönliche Beziehungen weit hinaus; sie wird in der buddhistischen Lehre daher auch Allgüte oder allumfassende Liebe genannt. Sie schafft eine Atmosphäre des Friedens und Wohlwollens, und den mitunter schwierigen spirituellen Pfad beschwingt sie mit Freude und Leichtigkeit.

Zum Thema Metta könnten wir noch viel schreiben – am wichtigsten ist es, Metta in sich zu kultivieren – dann wird es zu einer tiefen Erfahrung, und Sie können Ihre eignen Begriffe dafür finden. Das Schöne an Metta liegt darin, dass die erlernbar und trainierbar ist. Sie müssen nicht mit der Metta-Fähigkeit geboren worden sein, vielmehr entwickelt sich dieser in uns allen angelegte Same nach und nach mit jeder Übung.

Die Übung

Um die nun folgende Metta – Meditation, die etwa 15 Minuten dauert durchzuführen, setzen Sie sich auf ihren Meditationsplatz und finden eine angenehme Position. Konzentrieren Sie sich einige Minuten auf Ihr Meditationsobjekt bis Ihr Geist ruhig und gesetzt ist. Anschließend folgen Sie im Geist dieser Anleitung:

Wir richten unser geistiges Auge auf die Sonne aus. Die Sonne weckt uns jeden Morgen mit ihrer Wärme und ihren Strahlen, die den Tag erhellen und uns zu tätigem Leben anregen. Die ganze Natur, alle Wesen – ohne Ausnahme – werden von ihr mit Energie und Lebensfreude beschenkt.

Auch wenn es dunkel ist, haben wir die Gewissheit, dass sie wieder hervorkommt und uns Licht spendet. Zum Ruhen und Schlafen brauchen wir die Dunkelheit ebenso wie morgens die Helligkeit zum Aufstehen und Aktivwerden. Wir freuen uns, wenn die Sonne aufgeht, und wir werden berührt von der Schönheit ihres Unterganges. Ihre Wärme tut uns wohl, macht uns beweglich und lebendig.

Wir werden uns gewahr, dass tief in uns eine Kraft angelegt ist, die der Sonne gleicht. Diese Kraft strahlt und wärmt von innen heraus und geht über die Körpergrenze weit hinaus. Wellen des Wohlwollens durchströmen von innen her Körper und Geist und geben dem ganzen Menschen freudige Lebendigkeit. Wir müssen es nur zulassen! Vielleicht spüren wir es noch nicht in vollem Maße – aber die Sehnsucht nach Liebe und Verbundenheit sagt uns, dass dieses Potenzial in uns vorhanden ist.

So wie die Sonne der Natur Wachsen und Gedeihen verleiht, ist es die Energie der liebenden Güte, die uns zu wirklichen Menschen macht und darüber hinauf die ganze Menschheit am Leben erhält. Ohne Zuwendung und Wohlwollen wäre die Menschheit der Vernichtung und der Ausrottung preisgegeben.

Öffnen wir nun unser Herz für umfassendes Wohlwollen, um uns selbst und alle Lebewesen, die mit uns auf diesem Planeten wohnen, zu beschützen und zu behüten. So wie die Sonne machen auch wir keine Ausnahmen und lassen die Strahlen der wärmenden Güte alle Herzen berühren. In dem Gefühl der Verbundenheit mit allen Wesen und der gesamten Natur breiten wir das Licht der Herzenssonne weit über die Erde aus und geben allen gleichermaßen Leben spendende Kraft. Unser Wohlwollen trägt zum Frieden und zur Harmonie in der Welt bei.

Was wir am meisten brauchen und spüren, ist das befreiende Gefühl im eigenen Herzen, es löst sich ein Knoten von Druck und Belastung. Pflegen und behüten wir die Sonne der Herzensgüte in unserem Inneren wie einen großen Schatz.

Mit dem traditionellen Spruch der liebenden Güte beenden wir die Meditation:

Möge ich frei sein von Leid und Bedrückung -
Möge ich zufrieden und glücklich sein!
Mögen alle Wesen frei sein von Leid und Bedrückung –
Mögen alle Wesen zufrieden und glücklich sein.

Wir danken Ursula von Herzen, diesen Text hier veröffentlichen zu dürfen!

Mögest du glücklich und zufrieden sein.
Mögen alle Wesen glücklich und zufrieden sein.

Text: Sonja Miko

Sonja ist Gründerin und Geschäftsführerin von Indigourlaub. Ihr Herzensanliegen ist es, Reisen mit besonderen Inhalten wie Yoga, Meditation, Ayurveda u.v.m anzubieten und ein Bewußtsein für Nachhaltigkeit im Tourismus zu schaffen. Fairness und Respekt in allen Geschäftsbeziehungen sowie Wertschätzung Kunden und Partnern gegenüber sind dabei oberste Maxime.

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