Ich gehe... - Indigo Urlaub
 - Geschichten und Gedanken - Geschichten und GedankenVeröffentlicht am 14.01.2016

Ich gehe

Ich gehe die Straße entlang.
Plötzlich befindet sich ein großes Loch vor mir.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren.
Ich kann nichts dafür.
Nach langen Mühen finde ich heraus.

Ich gehe die selbe Straße entlang.
Plötzlich befindet sich ein großes Loch vor mir.
Ich tue so, als ob ich es nicht sehe und falle wieder hinein.
Ich bin wieder in dieser Situation, aber es ist nicht meine Schuld.
Nach langer Zeit finde ich heraus.

Ich gehe die selbe Straße entlang.
Plötzlich befindet sich ein großes Loch vor mir.
Ich sehe es.
Trotzdem falle ich aus Gewohnheit hinein.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin und trage die Verantwortung.
Sofort komme ich wieder heraus.

Ich gehe die selbe Straße entlang.
Plötzlich befindet sich ein großes Loch vor mir.
Ich mache einen großen Bogen um das Loch.

Ich gehe eine andere Straße entlang.

(nach Portia Nelson)

 

Tja, die Erfahrung, immer wieder in gleiche Muster, Gedankenschienen, scheinbar ausweglose Situationen zu kommen, kenne ich. Nur zu gut. Und ich weiß mich damit in bester Gesellschaft. Von Sprüche wie “das sind Prüfungen des Lebens” halte ich nichts (mehr). Nein, ich denke nicht, dass uns das Leben prüft. Vielmehr denke ich, dass uns das Leben anspornt. Anspornt zu fühlen, zu probieren, neue Wege zu gehen. Anspornt, am Leben teilzunehmen. Bestimmt ist es manchmal bequemer, jemanden zu suchen, den man für das Loch auf der Straße verantwortlich machen könnte anstatt sich einzugestehen, dass unser eigenes Tun und Denken manchmal zum Stolpern führt.

Im Mainstream des “positiven Denkens”, der die kollektive Erleuchtung zum Ziel zu haben scheint, kommt es mir vor, als wäre es schlichtweg nicht chic, ab und zu ein wenig zu straucheln, Fehler zu machen, schwach und somit Mensch zu sein. Seine eigenen Straßen, Wege, Umwege immer wieder – kritisch – durchleuchten, die eigenen hellen und dunklen Flecken kennen lernen, damit experimentieren, um dann zu entscheiden, welchen Weg man einschlagen will.

Das mag keine Prüfung des Lebens sein, sondern das Leben selbst.

Kastanienallee bei der Villa Sonnwend
Kastanienallee bei der Villa Sonnwend
Kastanienallee bei der Villa Sonnwend

Text: Sonja Miko

Sonja ist Gründerin und Geschäftsführerin von Indigourlaub. Ihr Herzensanliegen ist es, Reisen mit besonderen Inhalten wie Yoga, Meditation, Ayurveda u.v.m anzubieten und ein Bewußtsein für Nachhaltigkeit im Tourismus zu schaffen. Fairness und Respekt in allen Geschäftsbeziehungen sowie Wertschätzung Kunden und Partnern gegenüber sind dabei oberste Maxime.

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